Ferdinand Platzer

Elektriker. Widerstandskämpfer. Hingerichtet.

* 1906   † 1942

 

Lebenslauf

Ferdinand Platzer wurde am 25.3.1906 in Wien geboren und erlernte den Beruf des Elektromonteurs. Er beteiligte sich an den Februarkämpfen 1934. Hierauf folgte die Anklage wegen öffentlichen Aufruhrs. Der österreichische Bundespräsident Wilhelm Miklas begnadigte ihn, sodass Ferdinand Platzer nicht verurteilt wurde.

Widerstand, "Schutzhaft", Hinrichtung

Ferdinand Platzer war Mitglied der kommunistischen Betriebsgruppe in den Siemens-Schuckert-Werken. Er wurde am 22.6.1941 von der Gestapo in die Untersuchungshaftanstalt in der Landesgerichtsstraße zwecks "Schutzhaft", am 18. Dezember 1941 dem Volksgerichtshof überstellt. Platzer wurde am 18. Dezember 1942 wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" hingerichtet.

Schreiben des Rechtsanwalts Alfred Haberl an Ferdinand Platzer sen. vom 31.1.1946

“Als seinerzeit bestellter Pflichtverteidiger Ihres Sohnes bestätige ich Ihnen hiermit, dass gegen denselben vom Volksgerichtshof in Berlin auf Grund der vom Oberreichsanwalt wegen Hochverrats erhobenen Anklage in Wien am 29. September 1942 die mündliche Verhandlung durchgeführt wurde. Ihr Sohn wurde bei dieser Verhandlung wegen Beteiligung für die KPÖ des Hochverrats schuldig gesprochen und mit Urteil vom 29. September 1942 (…) zum Tode und dauernden Ehrverlust verurteilt. Da gegen Volksgerichtshofurteile ein Rechtsmittel nicht zulässig war, ist dieses Urteil sofort mit der Verkündung in Rechtskraft erwachsen. Das von mir eingebrachte Gnadengesuch wurde abgewiesen und das Urteil, wie ich in Erfahrung gebracht habe, am 18. Dezember 1942 in Wien vollzogen.”

Straßenbenennung

Am 1. Dezember 2009 wurde die Ferdinand-Platzer-Straße in Wien Floridsdorf im Rahmen des Gemeinderatsausschusses für Kultur und Wissenschaft nach dem gelernten Elektriker und Widerstandskämpfer benannt.

Gedenktafel für die Widerstandskämpfer Ferdinand Platzer, Franz Sebek und Leopoldine Padaurek

Am 6. März 2013 wurde im Robert Uhlir Hof eine Gedenktafel enthüllt, genau dort, wo sich in der Nazizeit die Siemens-Schuckert-Werke befanden. Dort arbeiteten die FreiheitskämpferInnen Leopoldine Padaurek, Franz Sebek und Ferdinand Platzer.

Siemens-Lehrlinge hatten ein Antifaschismus-Projekt durchgeführt. Am Festakt beteiligten sich Wohnbaustadtrat Michael Ludwig, Bezirksvorsteher Gerhard Kubik, Hannes Schwantner, Wiener Landesvorsitzender der Sozialdemokratischen FreiheitskämpferInnen, und Lehrlingsvertreter Sascha Ernzt. Gemeinsam enthüllten sie die Gedenktafel.

Die drei durch die Gedenktafel Geehrten wurden als Widerstandskämpfer im Landesgericht I hingerichtet. Auf dem Fabriksgelände der Siemens-Schuckert-Werke wurde am 10. Februar 1950 ein von Leopold Metzenbauer gestaltetes Mahnmal für Platzer, Sebek und Padaurek errichtet. Beim Abbruch der Fabrikshallen wurde allerdings auch das Mahnmal zerstört. Nunmehr ist durch die Gedenktafel wieder die Erinnerung an die drei WiderstandskämpferInnen lebendig.

Die an der Enthüllung Beteiligten äußerten sich folgendermaßen:

Sascha Ernzt: „In Zeiten, in denen die rechtsextremen Lager in und um Europa leider wieder größer werden, ist es wichtig, dass junge Leute sich an Zeiten erinnern, die nie wieder passieren dürfen! Es ist schön, in einem Land zu leben, in dem man Kritik öffentlich äußern kann, ohne Angst haben zu müssen.“

Michael Ludwig: „Ihren mutigen Kampf für Freiheit und Demokratie mussten Leopoldine Padaurek, Ferdinand Platzer und Franz Sebek mit dem Leben bezahlen. Ihr Schicksal steht für Millionen von Menschen, die während der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Wir dürfen niemals vergessen und müssen die Erinnerung an Menschen, die sich mutig gegen dieses totalitäre Regime gestellt haben, wach halten."

Gerhard Kubik: „Unser Bezirk war stark vom Terror des NS-Regimes betroffen. Viele jüdische Bewohner, aber auch politisch anders Denkende wurden hier vertrieben oder grausam ermordet.“

Hannes Schwantner: „Dieses Projekt zeigt deutlich, dass sich die Jugend diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte nicht verschließt."

Gedenkort

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Wiener Landesgerichts findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Die Gedenkstätte auf der Gruppe 40, Zentralfriedhof

Weblinks und Quellen


Porträt teilen